Über die Sonderausstellung hinaus gehend soll das Projekt "Dorothea rockt Berlin" in Glücksburg bis zum 350. Jubiläum des Starts der Dorotheenstadt 2023/24 fortgesetzt werden. (Foto: Schloss Glücksburg//Klau)

Eine große Frau, im Norden fast unbekannt

„Doro rockt Berlin" im Schloss Glücksburg

Die gebürtige Schleswig-Holsteinerin hat eine große Karriere gemacht, ist aber im Norden bisher so gut wie unbekannt: Dorothea Sophie Prinzessin von Schleswig-Holstein-Sonderburg-Glücksburg (1636- 1689). Mit einer Sonderausstellung "Doro rockt Berlin" vom 2. Oktober 2021 bis zum 30. April 2022 im Schloss Glücksburg wird ihr beachtliches Wirken im 17. Jahrhundert gewürdigt. Veranstalter sind gemeinsam die Stiftung Schloss Glücksburg und das IfT Institut für Talententwicklung (Berlin/Flensburg).

Als Kurfürstin von Brandenburg-Preußen gründete sie 1673/74 die nach ihr benannte Dorotheenstadt. Heute ist das Stadtviertel ein Herzstück der deutschen Hauptstadt. Dorothea pflanzte den ersten Baum zur weltberühmten Flaniermeile "Unter den Linden". Sie war eine erfolgreiche soziale Unternehmerin und galt als "wärmste Beschützerin" von Flüchtlingen, die wegen Glaubensgründen seinerzeit nach Brandenburg einwanderten. 

Die Sonderausstellung skizziert das intensive und zugleich relativ kurze Leben von Dorothea, das sie über Glücksburg, Kopenhagen, Celle und Herzberg am Harz nach Berlin/Cölln führte. Hier im Alter von 31 Jahren angelangt, blies ihr gleichsam von der ersten Stunde auch eisiger Wind ins Gesicht, verursacht aus Neid und Missgunst. „Fake News", die über sie verbreitet wurden, verdunkelten über Jahrhunderte hinweg ihr Bild, auch wenn die seriöse Geschichtswissenschaft die üblen Nachreden als haltlos darstellte. 

Offizielle Eröffnung am 1. Oktober 2021 

Zur offiziellen Eröffnung der Sonderausstellung im Schloss Glücksburg am 1. Oktober 2021 umreißt der Hannoveraner Historiker Dr. Jobst Graf von Wintzingerode den Lebensweg von Dorothea. Zwei junge Musikertalente, Amelie Dahl und Malte Gohr, tragen Musikstücke aus dem 17. Jahrhundert und aus der Gegenwart vor. Der Festakt schließt mit der Präsentation einer „Kurfürstin Dorothea-Torte" mit Ingredienzien, die der Überlieferung nach auch für Kuchen zur Zeit Dorotheas verwendet wurden. 

Fortsetzung des Projekts 

Über die Sonderausstellung hinaus gehend soll das Projekt "Dorothea rockt Berlin" in Glücksburg bis zum 350. Jubiläum des Starts der Dorotheenstadt 2023/24 fortgesetzt werden. Unter anderem ist eine Installation des Mittelteils des Berliner Brandenburger Tores, des heutigen westlichen Abschlusses der Dorotheenstadt, in Originalgröße im Schlosspark Glücksburg geplant. 

Aktuelle politische Grundfragen am Beispiel einer emanzipierten Frau des 17. Jahrhunderts 

Aktuelle politische Grundfragen wie der Umgang mit Hass in der alltäglichen Kommunikation und die Integration von Zuwanderern aus anderen Ländern und Kulturkreisen stellen sich dem Besucher der Sonderausstellung "Doro rockt Berlin" im Schlossmuseum Glücksburg vom 2. Oktober 2021 bis 30. April 2022. Diese Probleme wie auch großartige Ideen, die der Mensch zeit seines Lebens verwirklichen kann, illustriert die Schau am Beispiel einer selbstbewussten Frau des 17. Jahrhunderts: der gebürtigen Glücksburger Prinzessin Dorothea Sophie von Schleswig-Holstein-Sonderburg-Glücksburg (1636-1689). Veranstalter sind gemeinsam die Stiftung Schloss Glücksburg und das IfT Institut für Talententwicklung (Berlin/Flensburg). 

Eine Bahnbrecherin 

Die Zeitläufte führten Dorothea über Glücksburg, Kopenhagen und Celle nach Berlin-Cölln. Weit über die traditionelle Rolle einer Ehefrau des damals zweitmächtigsten deutschen Fürsten profilierte und positionierte sie sich als Bahnbrecherin in mehrfacher Hinsicht: 

 - als Gründerin einer Stadt (vielleicht die einzige bedeutende deutsche Stadtgründerin), die heute als Stadtviertel ein Herzstück der deutschen Hauptstadt ist; die planmäßige Anlage der nach ihr benannten Dorotheenstadt markiert den Durchbruch Berlins zur modernen Großstadt. Dorothea pflanzte den ersten Baum zur weltberühmten Flaniermeile „Straße unter den Linden".

 – als erfolgreiche soziale Unternehmerin: Brandenburg war nach dem Dreißigjährigen Krieg dringend auf Investoren angewiesen - und die Kurfürstin von Brandenburg-Preußen investierte, beginnend im Alter von 31 Jahren, kreativ und unermüdlich in ökonomische und soziale Projekte: Unternehmungen, soziale Einrichtungen u.v.m.

 - als Verbinderin von Familie und Beruf: Mit sieben Kindern kam sie von 1669 bis 1677 nieder. Sie legte Wert darauf, diese neben ihren anstrengenden beruflichen Vorhaben so weit wie möglich selbst zu erziehen - was ihr natürlich nur mit Hilfe ihres Hofstaates möglich war. 

 - als Fürsprecherin der religiösen und persönlichen Freiheit: Gleich am Anfang ihrer Ehe mit dem Großen Kurfürsten Friedrich Wilhelm (1620-1688) stellte sie in einem Bekenntnisbrief klar: Jedwedes Gezänk über Religionsfragen ist ihr zuwider. Jeder soll glauben was er will. In ihrem Herrschaftsbereich hob sie zudem die persönliche Dienstbarkeit der Bürger gegenüber ihr auf. Sie und ihr Gemahl hießen Fremde, namentlich die hugenottischen Glaubensflüchtlinge, willkommen und unterstützen diese. 

Mit ihren Ansichten und ihrem Engagement - zum Teil emanzipierte moderne Positionen auch des 21. Jahrhunderts - stieß Dorothea in ihrer Zeit vielfach auf erheblichen Widerstand. Dank einer sehr glücklichen Ehe mit Friedrich Wilhelm ließ sie sich nicht beirren - trotz Neid, Missgunst und übler Verleumdung; möglicherweise waren die seelischen Belastungen allerdings mit ein Grund für ihr relativ kurzes Leben.

www.schloss-gluecksburg.de

Mehr Informationen über unseren Norden finden sie in unseren Magazinen LAND & MEER und SEASIDE. Sie können die Magazine hier versandkostenfrei im LAND & MEER Shop bestellen oder bundesweit im Kiosk erhalten.


Gratis Leseproben des Land & Meer Verlags

Lesen Sie in unseren Jahresausgaben