Direkt zum Menü springen
Direkt zum Inhalt springen
Tanz der Seeschlangen
Riesenwurm mit exaktem Jahreskalender: Grüner Meerringelwurm Nereis virens auf dem Wattboden, Foto: Rainer Borcherding

Besonderes Naturphänomen im Nationalpark Wattenmeer

Tanz der Seeschlangen

Am vorigen Wochenende konnten Strandspaziergänger auf Sylt und Föhr ein ganz besonderes Naturschauspiel beobachten: den Laichtanz des Grünen Meerringelwurms. Zu Hunderten wurden die zwanzig bis vierzig Zentimeter langen Borstenwürmer entkräftet an den Strand gespült, nachdem sie in der Nacht zuvor ihr Laichgeschäft erledigt hatten.

„Nur in einer einzigen Nacht im Jahr steigen alle männlichen Grünen Meerringelwürmer zur Meeresoberfläche empor“, berichtet Biologe Rainer Borcherding von der Schutzstation Wattenmeer. Auslöser ist der erste Voll oder Neumond nach dem Erreichen von sechs Grad Wassertemperatur. Dann schwimmen sie stundenlang in wilden Kreisen umher und verteilen ihr Sperma im Wasser. Die Geschlechtszellen regnen zu den Weibchen hinab und befruchten dort die abgegebenen Eier. Die meisten Wurm-Männchen sind nach dem Laichtanz so entkräftet, dass sie an den Strand gespült oder von Fischen und Möwen gefressen werden. Weil die Würmer sich mit Hilfe von Wassertemperatur und Mondlicht alle in einer Nacht „verabreden“ und gleichzeitig erscheinen, erhöhen sie ihre Überlebenschance. „Fische fressen die Würmer zwar mit Begeisterung, aber sie können sich in der ‚Nacht der tanzenden Würmer‘ nur einmal den Magen mit Würmern vollstopfen“, erläutert Borcherding. Seien alle Fische satt, könnten die restlichen Meerringelwürmer unbehelligt ihren Balztanz im freien Wasser vollführen. Das Laichereignis der Meerringelwürmer war in diesem Jahr offenbar besonders deutlich ausgeprägt, wie einige Meldungen von angespülten Würmern im Webportal www.beachexplorer.org zeigen.

Per BeachExplorer Funde dokumentieren

 Neben den Meerringelwürmern wurden auch einige andere Frühlingsphänomene im Wattenmeer von den über 1.700 Nutzern des BeachExplorers dokumentiert: So strandeten vor der ostfriesischen Küste zwei Große Pfeilkalmare, die zum Laichen in die Fjorde Norwegens unterwegs waren und sich in die Nordsee verirrt hatten. Auf Sylt wurde ein toter Seehase angespült. Dieser einheimische „Kugelfisch“ laicht ebenfalls im Frühjahr und erschöpfte Exemplare werden oftmals angespült. Außerdem sind derzeit überall auf den Wattflächen kleine Gallertkugeln zu finden. Es sind die Eigelege von verschiedenen Borstenwürmern, die im Wattboden leben.

Die Meldung von naturkundlichen Phänomenen ist durch Internet und Smartphone-Apps heute sehr einfach und wird als „Citizen Science“ oder Bürgerwissenschaft bezeichnet. Die Schutzstation Wattenmeer bietet mit der kostenlosen App BeachExplorer die Möglichkeit, alle Arten von Strandfunden anhand von Bildern zu erkennen und dann zu melden. Für die Ostsee gibt es entsprechend den BalticExplorer.

Meldung von Strandfunden: www.beachexplorer.org

Mehr Informationen über die Tierwelt im Wattenmeer finden Sie in der neun Jubiläumsausgabe LAND & MEER. Sie erhalten das Magazin für 8,90 Euro am Kiosk oder hier versandkostenfrei im LAND & MEER Shop.

 

Diese Artikel könnten Sie auch interessieren!

Der »Fischratgeber« der Verbraucherzentralen ist ein ausklappbares Booklet im Hosentaschenformat, das beim Einkauf von nachhaltig gefangenem Fisch helfen soll.(Foto: Gregor Moser on Unsplash)

Verbraucherzentralen veröffentlichen Fischratgeber

Welcher Fisch kann noch auf den Tisch

Fisch ist Teil einer gesunden Ernährung und liefert wichtige Fette und Mineralstoffe. Doch Wildfisch und Meeresfrüchte werden immer knapper: Überfischung und schädliche Fangmethoden lassen die globalen Fischbestände stetig schrumpfen, bedrohen den Fortbestand ganzer Arten und schädigen die Meeresumwelt schwer. Aber welcher Fisch darf noch auf den Tisch, fragen sich viele Verbraucherinnen und Verbraucher. Antwort gibt der neue »Fischratgeber« der Verbraucherzentralen Berlin und Hamburg. mehr →


Schöne Landschaften und spannende Städte.(Foto: Weserbergland-Tourismus e. V., Marcus Gloger)

Weser-Radweg und RadReiseRegion Uelzen erneut prämiert

Radfahren: Ausgezeichnet in Niedersachsen

Der Allgemeine Deutsche Fahrrad-Club e.V. (ADFC) zeichnet wiederholt zwei niedersächsische Radprojekte aus. So erhält der Weser-Radweg erneut vier von fünf möglichen Sternen und hält somit seine bisherige Klassifizierung als ADFC-Qualitätsradroute, genauso wie die HeideRegion Uelzen als ADFC-RadReiseRegion rezertifiziert wird. mehr →


Die Jahresausgabe LAND & MEER 2020 erscheint am 15. April 2020

In eigener Sache

LAND & MEER Jahresausgabe 2020

Nach langen Abwegungen haben wir uns entschieden die LAND & MEER Jahresausgabe 2020 pünktlich zum gewohnten Termin herauszugeben. Ein persönlicher Brief an allen Leserinnen und Leser und alle Geschäftskunden. mehr →


Gratis Leseproben des Land & Meer Verlags

Lesen Sie in den aktuellen Ausgaben