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Madame D `Ora in Hamburg
Madame d‘Ora (1881-1963), Marquis George de Cuevas mit Balletttänzerin, um 1955, Silbergelatineabzug, 17,4 x 21,5 cm, © Museum für Kunst und Gewerbe Hamburg

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Madame D `Ora in Hamburg

Das Museum für Kunst und Gewerbe Hamburg (MKG) gibt vom 21. Dezember 2017 bis 18. März 2018 in einer umfassenden Retrospektive mit rund 250 Exponaten erstmals einen Überblick über das Schaffen der Fotografin Madame d‘Ora (1881-1963) und nimmt eine Neubewertung ihres Werkes vor.

Wer sich von Madame d'Ora porträtieren lässt, verleiht seiner Person einen Hauch französischer Eleganz. Von 1910 bis in die 1950er Jahre inszeniert Madame d'Ora die Wiener und Pariser Gesellschaft und die Künstlerbohème. Sie fotografiert Schriftsteller wie Arthur Schnitzler, den Komponisten Alan Berg und den Kulturkritiker Hermann Bahr. Vor ihrer Kamera stehen die österreichische Tänzerin und Choreografin Grete Wiesenthal mit ihren Schwestern, die russische Primaballerina Anna Pawlowa, die skandalumwitterte Nackttänzerin Anita Berber, der Operettenstar Fritzy Masary, Josephine Baker und Coco Chanel.

In den Ateliers von Madame D'Ora nimmt man anspruchsvolle, ästhetische Bildnisse entgegen, die einen zeitgemäßen Look ausstrahlen und den Anspruch der Abgelichteten auf einen Platz in der Welt der schönen, gebildeten und berühmten Menschen unterstreichen. Parallel fotografiert Madame d'Ora Mode u.a. für Illustrierte und Lifestyle-Magazine. Unter dem Eindruck des Zweiten Weltkriegs wendet sie sich ab von der Welt des Schönen, dokumentiert das Schicksal von Kriegsflüchtlingen und zeigt den Alltag in Schlachthöfen.

Die Ausstellung versammelt rund 220 Arbeiten aus dem Nachlass der Fotografin, ca. 30 Modeobjekte aus dem Wien Museum und weiteren internationalen Leihgebern sowie zeitgenössische Zeitschriften. Die Ausstellung entsteht in Kooperation mit dem Photoinstitut Bonartes, Wien. Neben Porträts fotografiert Madame d'Ora seit den 1910er Jahren auch Mode, u.a. für die Wiener Werkstätten. In den 1920er Jahren platziert die geschäftstüchtige Fotografin ihre Aufnahmen in der sich rasant entwickelnden illustrierten Presse und liefert Vorlagen für neue, gehobene Lifestyle-Magazine wie Die Dame des Ullstein Verlags, Madame oder Officiel de la Cuture et de la Mode. Noch in der Nachkriegszeit fotografiert sie die großen Pariser Couturiers, etwa Piere Balmain oder Cristòbal Balanciaga.

Zäsur nach dem Zweiten Weltkrieg

Der Zweite Weltkrieg setzt jedoch eine radikale Zäsur in ihrem Werk, das sich bis dato ausschließlich der Welt des Schönen gewidmet hatte. Als Jüdin flieht sie 1940 aus Paris in die Ardèche und gelangt 1945 nach Österreich, wo sie 1945/1946 bei Wien das Schicksal der Flüchtlinge dokumentiert. Hier betätigt sie sich erstmals als Sozialreporterin. 1950 und 1958 schafft sie zwei bis heute verstörende Serien über Schlachthöfe, die als künstlerische Reaktion auf die Gräuel des Krieges verstanden werden können.

Madame d'Ora wird als Tochter eines Wiener Hofgerichtsadvokaten einer wohlhabenden jüdischen Familie mit dem bürgerlichen Namen Dora Philippine Kalmus geboren. Nach ihrer Ausbildung bei dem Fotografen Nicola Perscheid in Berlin, eröffnet sie 1907 mit ihrem Geschäftspartner Arthur Benda (1885-1969) ein eigenes Atelier in ihrer Heimatstadt Wien. Von 1921 bis 1926 unterhält sie ein Sommer-Atelier im Kurort Karlsbad und eröffnet 1925 ein Studio in Paris. Nach dem Einmarsch der Nationalsozialisten in Paris 1940 muss sie fliehen und hält sich in Südfrankreich und Österreich versteckt. 1959 findet ihre Laufbahn mit einem Unfall ein abruptes Ende, 1963 stirbt sie im österreichischen Frohnleiten.

Ein Großteil des Nachlasses der Fotografin befindet sich im MKG. Neben ca. 500 Original-Abzügen umfasst er Negative und Kontaktbögen sowie den Schriftwechsel und das Kundenbuch des Ateliers. Die Ausstellung trägt internationale Leihgaben aus öffentlichen österreichischen und französischen Sammlungen sowie von Privatleihgebern zusammen.

Die Ausstellung entsteht in Kooperation mit dem Photoinstitut Bonartes, Wien. Kuratorinnen sind Esther Ruelfs, Cathrin Hauswald (MKG) und Monika Faber, Magdalena Vukovic (Photoinstitut Bonartes, Wien). Die Ausstellung wird im Anschluss im Leopold Museum, Wien, und in der Neuen Galerie Museum for German & Austrian Art, New York, gezeigt.

www.mkg-hamburg.de

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