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Sonne für die Wissenschaft
Kanzlerin Angela Merkel taufte das moderne Tiefsee-Forschungsschiff in Warnemünde auf den Namen „Sonne“. (Foto: Meyer Werft, Michael Wessels)

Neues Forschungsschiff

Sonne für die Wissenschaft

Forscher auf der „Sonne” vermessen die Tiefen der Meere und sind überrascht von den Ergebnissen. LAND & MEER erzählt, warum. Von Eigel Wiese

Wenn Kapitän Oliver Meyer zu Hause in der Nähe von Verden an der Aller erzählt, er habe das Kommando auf dem jüngst in Dienst gestellten Forschungsschiff „Sonne", vermuten die Zuhörer, seine Fahrtgebiete führen in die Antarktis und Arktis. „Dann muss man den Leuten erst einmal erklären, dass auch andere Gewässer erforscht werden". So hört sich die erste Reise des neuen Schiffes fast nach Kreuzfahrtzielen an. Las Palmas und Dominikanische Republik stehen auf dem Törnplan. Während die Nautiker um Kapitän Meyer die „Sonne" über die Wasseroberfläche führen, sehen die Wissenschaftler in der Tiefe, was vor ihnen noch niemand erblickte. Auf ihren Bildschirmen formen sich Messdaten vom mittelatlantischen Rücken zu hoch aufgelösten bunten Bildern. Dort entfernen sich die nordamerikanische und eurasische Platte der Erdkruste zweieinhalb Zentimeter pro Jahr voneinander. Schon das erste Bild aus 5.730 Metern überraschte. „Wir sehen Rippelmarken, die uns vom heimischen Watt gut vertraut sind. Doch hier geben sie uns Rätsel auf. Damit diese Oberflächenstrukturen entstehen, müssen in der Tiefsee starke Strömungen vorkommen. Bislang gingen wir davon aus, dass es derartige Strömungen dort gar nicht gibt", sagt Prof. Colin Devey, Fahrtenleiter der ersten Expedition des deutschen Forschungsschiffes „Sonne". Der Geologe ist Wissenschaftler am Geomar-Helmholtz-Zentrum für Ozeanforschung in Kiel.

Der Tiefseeboden ist anders als gedacht

Auch Prof. Angelika Brandt, die stellvertretende Fahrtenleiterin der Reise, eine Meeresbiologin vom Zoologischen Museum der Universität Hamburg, muss schon nach den ersten Forschungstagen ihr bisheriges Bild korrigieren. „Der Tiefseeboden ist anders, als ich gedacht habe. Er hat Krater, Steilhänge, kleinere und größere Gräben. Und überall gibt es offenbar Leben", staunt sie. Dabei hat sie schon oft nach Leben in der Tiefe der Ozeane geforscht. Wie der Tiefseeboden im Detail aussieht, zeigen genaue Karten der unterseeischen Landschaften, die während der Expedition an Bord der „Sonne" entstehen. Devey: „Diese Karten sind die besten der Welt und entstammen Tiefen, die wir uns noch nie getraut haben zu kartieren." Ein Fächerecholot am Rumpf der „Sonne" und eines, das am autonomen Unterwasserfahrzeug „Abyss" montiert ist, liefern die Daten. Aus ihnen errechnen Computerprogramme die Karten. „Für die Auswertung unserer Proben, die wir mit speziellen Geräten in mehr als 5.000Metern Tiefe aus dem Meeresboden entnehmen, sind diese Karten ein Glücksfall", sagt Angelika Brandt. Da die Geologen die Orte der Probenahmen in die Karten eingezeichnet haben, können die Biologen nun herausfinden, ob und wo sich organisches Material sammelt. Die Gesteinsproben aus der Tiefe sind vermutlich mindestens 120 Millionen Jahre alt. Die Proben von Bord der „Sonne" landen nach Ende der Reise zur weiteren Untersuchung in deutschen Instituten. Ebenso wie die biologischen Proben, die Angelika Brandt und ihr Team sammeln. „Wir haben insgesamt 1952 Tiere gefunden. Bei den Meeresasseln haben wir Arten gefunden, die auch in anderen Tiefseebecken des Atlantiks vorkommen", sagt Brandt. Gibt es also vielleicht einen regen Austausch zwischen den Lebewesen in den Tiefen unserer Meere? Alle Proben, die Kleinstlebewesen enthalten können, konservieren die Wissenschaftler sorgfältig. Nach Abschluss der Reise werden sie mit speziellen Kühlcontainern nach Deutschland geschickt. Dort werden Wissenschaftler auch genetische Analysen durchführen, um die evolutionäre Entwicklung des Lebens in der Tiefsee noch genauer zu erfassen.

 

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