Sensationelle Entdeckung am Danewerk
„Das Tor nach Skandinavien“
Am Danewerk, dem bedeutendsten Bodendenkmal Nordeuropas, ist dem Archäologischen Landesamt Schleswig-Holstein eine Sensation widerfahren. Bei Ausgrabungen an der überaus gut erhaltenen, über 1.200 Jahre alten Feldseinmauer ist die Archäologin Dr. Astrid Tummuscheit mit ihren Kollegen auf den Durchlass des Verteidigungswalls gestoßen.
Endlich scheint es entdeckt zu sein: das Tor nach Skandinavien, das überhaupt erste Tor des Danewerks. An diesem rund sechs Meter breiten Durchlass verlief mindestens 450 Jahre lang der Heer- bzw. Ochsenweg als Hauptverkehrsachse auf der jütischen Halbinsel zwischen dem Kontinent und Skandinavien – sozusagen die A 7 der Wikingerzeit.
Nachdem 2008 mit Mitteln des AP Moeller-Fonds durch den Dänischen Verein SSF das baufällige Café Truberg erworben und abgerissen werden konnte, unternahm das Archäologische Landesamt 2009 erstmals Voruntersuchungen am dahinter verborgenen Bodendenkmal. Dabei entdeckte man einen wohlerhaltenen Feldsteinmauerabschnitt. Bei der in diesem Sommer vorgenommenen Hauptuntersuchung kam es dann zur Freilegung zweier Wangen der Feldsreinmauer mit einem dazwischen liegenden Tordurchlass.
Das Danewerk
Das Danewerk (altdänisch: danæwirchi) war die südliche Grenzbefestigung des dänischen Reiches, die zwischen dem 7. und dem 12. Jahrhundert in mehreren Phasen als gestaffeltes System von Langwällen angelegt wurde. Es nutzte den nur sieben Kilometer breiten Tieflandpass zwischen den ehemals unpassierbaren Niederungen von Eider und Trenne im Westen sowie der Schlei im Osten, um Dänemark vor Angriffen aus dem Süden zu schützen. Die Endphase bestand im Bau der so genannten Waldemarsmauer von ca. 1160/80. Die Anlage war 30 Meter breit, sechs Meter hoch und an ihrer Front mit Ziegelsteinen verstärkt. Auf der Mauer lief ein hölzerner Wehrgang. Das Verteidigungswerk sicherte auch die Kontrolle über den Ochsenweg, der zentralen Nord-Süd-Landverbindung dieser Zeit.
Als Holstein nach 1201 Reichsteil Waldemars II. wurde, verlor das Danewerk seine Funktion. Seit dem 13. Jahrhundert verfiel es.
1851 wurde das Danewerk vom dänischen König Friedrich VII. unter Schutz gestellt, was die Militärs nicht gehindert hat, die Anlage 1861 bis 1864 zur schanzenbewehrten Feldstellung auszubauen. So wurde es in den Jahren 1860 bis 1863 im Westen auch noch durch den Dänischen Kanal verstärkt, dessen Zweck es war, die tiefer liegenden Flächen entlang der Rheider Au so stark zu vernässen, dass sie für vorrückende Truppen unpassierbar wurden. Während des deutsch-dänischen Krieges von 1864 wurde das zu dieser Zeit von österreichischen Truppen belagerte Danewerk in den ersten Februartagen aufgrund katastrophaler Witterungsverhältnisse (Schneestürme bei Temperaturen von -20°) aufgegeben und die dänischen Truppen zogen sich in besser zu verteidigende Stellungen an den Düppeler Schanzen zurück. Sofort nach Aufgabe des Danewerks durch die Dänen begannen die österreichischen Truppen damit, die Schanzen zu schleifen.
Im zweiten Weltkrieg wurden am Danewerk Panzersperren angelegt. 1948 waren nur noch ein Fünftel der Wälle in annähernd ursprünglicher Höhe erhalten.
1950/51 gelang es, das Danewerk zunächst unter Naturschutz zu stellen, 1958 kam es schließlich auch unter Denkmalschutz. Die Verteidigungsanlage hatte besonders in Dänemark lange eine hohe emotionale Bedeutung, besonders zur Zeit der Dänischen Bewegung im 19. Jahrhundert. Sie blieb es für viele Menschen im Abstimmungsgebiet bis 1920 ein Symbol für die Wiedervereinigung Schleswigs mit Dänemark. Heute gilt das Danewerk als das größte archäologische Denkmal Nordeuropas.
Am bundesweit gefeierten Tag des Offenen Denkmals, 12. September, werden Mitarbeiter des Archäologischen Landesamts ab 14 Uhr (Treffpunkt ist gegenüber des Danevirke-Museums in der Gemeinde Dannewerk) die Ausgrabung am Danewerk öffentlich präsentieren.
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