Mit dem Wohnmobil

Von der Elbe an die Nordsee

Immer an der Küste entlang – von der Elbe an die Nordsee.

Mit dem Wohnmobil – oder dem Fahrrad - in Cuxhaven gestartet, geht die Reise quer über die Elbe und dann immer Richtung Norden. Die „Grüne Küstenstraße“ führt uns durch Dithmarschen und Nordfriesland nach Sylt und von dort per Fähre zur dänischen Insel Rømø. Text/Fotos: Matthias Thurm

Von Cuxhaven zum Natureum und weiter über die Elbe nach Glückstadt



In Altenbruch biegen wir auf die Nebenstrecke ab, erreichen nach kurzer Zeit die idyllische Altstadt von Otterndorf und bestaunen das historische Rathaus, Otterbrunnen und Kranichhaus. Unsere erste Station ist das Natureum Niederelbe am Ostesperrwerk. Die eindrucksvollen Ausstellungen über das Watt und seine Flora und Fauna stimmen uns ein auf die Landschaft, die uns in den nächsten Tagen begleiten wird. Von Hörne aus direkt hinter dem Deich führt uns ein nur wenig befahrenes Sträßchen durch das Kehdinger Land in Richtung Freiburg. Hinter dem Deich ducken sich kleine, meist wunderschön restaurierte Fachwerkhäuschen. In Freiburg an der Elbe scheint die Zeit stillzustehen. Der Stellplatz „Am Bassin" fern ab jeder Straße lädt zum Verweilen ein. Wir bleiben nur auf eine Kaffeepause, denn wir wollen heute noch bis Glückstadt, und vor der Elbfähre in Wischhafen kann es zu langen Wartezeiten kommen. Doch der Fährmann winkt uns an Bord.

Glückstadt ist ein Muss für jeden Wohnmobilisten. Der Stellplatz direkt an der Hafenmole ist nicht ganz einfach zu finden, überzeugt aber mit einer grandiosen Lage unmittelbar am Wasser mit Elb- und Hafenblick und ist dazu noch völlig kostenlos. Dafür nimmt man gerne in Kauf, dass weder Strom, noch Ver- und Entsorgungsmöglichkeiten geboten werden. Ein Spaziergang in der Abendsonne in die wunderschön erhaltene historische Altstadt führt uns zum historischen Marktplatz, der von einer ganzen Handvoll guter und stilvoll eingerichteter Restaurants gesäumt wird. Wir entscheiden uns für das Matjes-Büffet im „Kandelaber", das bei Fischliebhabern weit über die Stadtgrenzen hinaus bekannt ist 


Von Glückstadt nach Büsum






Von Glückstadt führt uns der Weg am nächsten Morgen über die Grüne Küstenstraße nach Nordwesten. Vom höchsten Punkt der Brücke über den Nordostseekanal aus erblicken wir in der Ferne bereits die neuen Wahrzeichen der Dithmarscher Kooglandschaft: die zahllosen Windräder. Wie in einem riesigen Spargelbeet stehen sie aufgereiht in der Landschaft, in ihrer Zahl nur übertroffen von den friedlich darunter grasenden Schafen und natürlich den mächtigen Kohlköpfen in Europas größtem Kohlanbaugebiet.


Der alte Hafen von Friedrichskoog ist bekannt für seine Imbissbuden mit frischen Fisch- und Krabbenbrötchen. Direkt am Hafen, gegenüber der Seehundstation, erhebt sich seit Kurzem auch „Willi“, eine 125  Meter lange Indoor-Spielwelt für Kinder. Im Bauch des stilisierten Riesenwals bieten Trampolin, Kletterwand, Wellenrutsche und zahlreiche weitere Attraktionen Familien mit Kindern auch bei schlechtem Wetter entspannte Ferien. Als Wohnmobiltourist muss ich Friedrichskoog ein ganz besonderes Lob aussprechen. Es sollte für lange Zeit die letzte Gemeinde auf unserer Reise sein, die ihre Parkplätze für uns kostenlos zur Verfügung stellt. Am Hafen ganztägig, in Friedrichskoogspitze zumindest die erste halbe Stunde.


Auf dem kopfsteingepflasterten alten Meldorfer Marktplatz kostet das Parken heute auch nichts, weil Sonntag ist. Anders am neuen Meldorfer Hafen, einem Paradies für Windsurfer. Weit und breit nur Wasser und Natur, so scheint es. Doch keine drei Minuten vergehen, bis ein Parkwächter mit seinem Motorroller auftaucht und sechs Euro verlangt. Gegen Abend erreichen wir das quirlige Hafen- und Touristenstädtchen  Büsum. Als Wohnmobilist hat man in Büsum die Wahl zwischen einem einfachen Parkplatz in Hafennähe und mehreren Vollcampingplätzen amgegenüberliegenden nordwestlichen Stadtrand direkt hinter dem Deich.


St. Peter-Ording bis Friedrichstadt


 



Weiter nach Norden passieren wir das gigantische Eidersperrwerk in Richtung St. Peter-Ording. Der größte befahrbare Sandstrand Deutschlands erscheint uns wie geschaffen für ein Picknick direkt am  Meer. Nicht nur Sand, auch Parkplätze hat es hier satt. Aber zu der Strandgebühr kommt noch die Kurtaxe – zusammen zwölf Euro. Obwohl wir nicht die ersten Camper sind, die auf die Idee gekommen sind, mit dem Wohnmobil unmittelbar ans Wasser zu fahren, finden wir ein ungestörtes Plätzchen.

Nach einem Abstecher zum Leuchtturm von Westerhever, dem wohl markantesten maritimen Bauwerk der Dithmarscher Nordseeküste, nehmen wir landeinwärts Kurs auf Friedrichstadt. Ein Ausflug, der unbedingt zu empfehlen ist. Durch die gut erhaltenen alten Häuserfassaden, die kleinen Gässchen, Brücken und Grachten fühlt man sich in eine holländische Kleinstadt versetzt. Ihre Existenz verdanken die zahlreichen kleinen Wasserstraßen den beiden größten Flüssen Schleswig-Holsteins: der Treene und der Eider. Das Holland-Feeling hat aber auch historische Ursachen. Friedrichstadt wurde 1621 durch Herzog Friedrich III. als Handelsmetropole gegründet. Dazu holte er niederländische Bürger, denen er Religionsfreiheit gewährte. Das tolerante Image der Stadt lockte auch andere christliche Gruppierungen an. Noch heute sind hier fünf Religionsgemeinschaften aktiv. Wir streifen durch die niedlichen Kopfsteinpflastersträßchen, vorbei an blumengeschmückten Häuserwänden und kehren zum Essen in die Holländischen Stuben ein, sozusagen dem Stammhaus des Schleswig-Holstein-Gourmetfestivals. Im Rahmen dieser Veranstaltung ist hier jedes Jahr im Winter ein Sternekoch aus einem anderen deutschen Spitzenrestaurant zu Gast, um die norddeutschen Feinschmecker zu begeistern. Aber wir sind auch schon von der normalen Karte begeistert und genießen „Land und Meer“, Lammcarrée mit Gambas.


Von Nordstrand nach Rømø


Als Nachtlager peilen wir die Halbinsel Nordstrand an. Über einen schmalen Weg auf der Deichkrone gelangen wir zum etwas versteckt gelegenen Campingplatz Elisabeth-Sophien-Koog. Hier scheint die Welt zu Ende zu sein. Das schnuckelige, nur durch einen Deich vom Wattenmeer getrennte Fleckchen Natur beschert uns absolute Stille. Zwischen endlosen Kooglandschaften und Halligen geht es langsam in Richtung dänische Grenze. In Lüttmoorsiel, dem Tor zur Hallig Nordstrandischmoor, genießen wir im Café von Familie Friedrichsen selbst gebackenen Möhrenkuchen.
Ein paar Kilometer weiter holen wir unsere Fahrräder aus unserer mitgeführten „Garage“ am Heck unseres Wagens und radeln bis zur Spitze der Hamburger Hallig. Windräder, endlose Wiesen, Schafe und zur Linken der Deich sind unsere Begleiter durch den Söhnke-Nissen-, den Hauke-Haien- und den Friedrich-Wilhelm-Lübke-Koog. Ein Muss auf dem Weg nach Dänemark ist ein Abstecher ins Nolde-Museum in Seebüll. Das 1927 von dem berühmten expressionistischen Maler auf einer Warft im Bauhausstil entworfene Haus zeigt nicht nur viele Werke des Künstlers, es zeigt auch das Arbeits- und Lebensumfeld Emil Noldes.


Und von Rømø nach Sylt






Nur wenige Kilometer weiter passieren wir in dem niedlichen Dörfchen Rosenkranz die dänische Grenze. Auf dem schmalen, auf der Deichkrone verlaufenden Sträßchen nach Höjer haben wir eine traumhafte Rundumsicht auf endlose Salzwiesen. In Rejsby-Ballum tummeln sich die Windsurfer am Strand. Eine kleine Vorahnung von dem, was uns auf Rømø erwartet. Der Strand von Lakolk in der Mitte der Insel, den wir vom Festland aus über einen langen Damm erreichen, ist nicht nur deutlich größer als der in St. Peter Ording. Ihn mit dem Wohnmobil zu befahren ist auch kostenlos – trotzdem ist Platz bis zum Horizont. Vor allem für Strandsegler und Windsurfer ist Rømø ein Paradies.


In der Warteschlange zur Fähre nach Sylt im Hafen von Havneby interessiert sich ein Ehepaar aus Bottrop für unser Wohnmobil. Man kommt schnell ins Gespräch. „Wir fahren immer über Rømø nach Sylt“, sagt der Mann. „Eine Schiffsreise und ein bisschen Abenteuer gehören einfach dazu“, ergänzt seine Frau. Außerdem ist es auch deutlich billiger, als mit dem Autoreisezug über den Hindenburgdamm zu fahren. Für die knapp einstündige Hin- und Rückreise zahlen wir für unser Wohnmobil regulär 104,50 Euro. Das günstigste Angebot mit dem Zug beginnt bei 139 Euro. Und die rund 60 Kilometer, die man länger unterwegs ist, entschädigen durch landschaftlichen Reiz. Im Bordrestaurant lassen wir uns eine „Dänische Platte“ schmecken. Schon nach kurzer Zeit taucht auf der rechten Seite der nordöstliche Zipfel von Sylt mit dem Leuchtturm auf. Der Strand zum Greifen nah. Nach der Landung in List nutzen wir dann auch die Gelegenheit zu einem Ausflug mit unseren Rädern bis zur Ellenbogenspitze. Deutschlands nördlichstes Eiland ist nicht nur Partyinsel, sondern bietet auch endlose, wunderschöne und menschenleere Strände und Dünenlandschaften. Für das Wohnmobil wählen wir als Urlaubsstandort für die nächsten Tage einen Campingplatz am südlichen Stadtrand von Westerland, der quirligen Inselmetropole, wo wir in der „Osteria“ ein üppiges Abendessen bekommen. Hier haben wir alles dicht beieinander: Ruhe und Abwechslung, Strand und Shopping, Entspannung und Unterhaltung. Und die zentrale Insellage ist ideal, um mit dem Rad auf Entdeckungstour zu gehen.


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