Die große Flut

Als Hamburg unterging

Hilflos vor den Wassermassen. Die Flut traf die Hamburger Bevölkerung mitten in der Nacht. (Foto: www.rautemusik.fm); Foto Mitte: Schwere Brandung direkt an der Strandpromenade von Westerland; Foto unten: Szenenbild aus dem RTL-Drama „Die Sturmflut”.

In der Nacht vom 16. auf den 17. Februar 1962 kam es an der Nordseeküste und an den Unterläufen von Elbe und Weser zu einer Flutkatastrophe von unglaublichen Ausmaßen. 340 Menschen fanden den Tod. Eine außergewöhnlich lang anhaltende Sturmlage hatte das Wasser vom Nordatlantik bis vor die deutsche Nordseeküste gedrückt.


Vor allem an den seit der Flutkatastrophe von 1953 (Hollandsturmflut) noch nicht erhöhten Deichen in den Flussgebieten kam es zu schweren Schäden und zahllosen Deichbrüchen. Die Seedeiche hielten trotz schwerer Schäden bis auf wenige Ausnahmen den Fluten stand. Außergewöhnlich schwer betroffen war die Hansestadt Hamburg – vor allem der Stadtteil Wilhelmsburg, wo es mehrere Deichbrüche gab. Dort starben die meisten der in Hamburg insgesamt zu beklagenden 315 Opfer. 

Am 16. Februar erreichte das Sturmfeld eines Orkantiefs die Nordsee. In den Seegebieten der nördlichen Nordsee sowie im Skagerak traten Windgeschwindigkeiten jenseits des Messbereiches der damaligen Windmessgeräte auf. Mit neun Windstärken im Mittel nahm der Wind aus nordwestlichen Richtungen auch im küstennahen Binnenland noch einmal stark zu und wehte in der Deutschen Bucht mit Böen bis 12 Beaufort. Gegen 21 Uhr kam der Fährverkehr auf der Unterweser, der Oste, der Stör sowie der Unterelbe infolge der Überflutung der Zufahrtsstraßen und der Schließung der Deiche zum Erliegen.


Flut an der Nordseeküste





Zu diesem Zeitpunkt kam es an den Seedeichen sowie auf die Ostfriesischen Inseln bereits zu äußerst kritischen Situationen. Besonders schwere Schäden entstanden auch auf den Nord- und Ostfriesischen Inseln und den Gebäuden auf den Halligen. An der Westküste Schleswig-Holsteins brachen die Deiche am Uelvesbüller Koog in Eiderstedt sowie bei Husum. Auf Sylt kam es zu massiven Dünenabbrüchen. Besonders stark unter der Flut litten auch Elmshorn, Uetersen und Itzehoe, weil Stör, Pinnau und Krückau noch keine Sperrwerke hatten. In Bremerhaven konnte auf Grund frühzeitiger Warnungen der bedrohte Weserdeich mit Hilfe des Technischen Hilfswerkes und der amerikanischen Streitkräfte gehalten werden.


Katastrophe in Hamburg





Im Bereich der Süderelbe am Südufer der Elbe bei Hamburg kam es kurz nach Mitternacht zu ersten Deichüberflutungen. In Hamburg brachen die Deiche an mehr als 60 Stellen. Besonders schwer betroffen war hier Wilhelmsburg: als verheerend erwies sich dabei der Umstand, dass der hier sehr breit ausgeführte Klütjenfelder Hauptdeich als von im Zweiten Weltkrieg Ausgebombten ständig bewohntes Kleingartengebiet genutzt wurde. Der Bruch des Deiches führte hier zum Tod von 222 Bewohnern. Rettungsmaßnahmen waren nur noch mit Booten möglich waren. In Waltershof starben 37 Menschen.


Nachdem in Hamburg die Gefährlichkeit der Lage bis in die späten Abendstunden seitens der Behörden verkannt und dringende Warnungen aus den Küstenorten nicht ernst genommen worden waren, verloren die zuständigen Behörden aus Polizei und Feuerwehr nach dem Zusammenbruch jeglicher Telefon- und Verkehrsverbindungen ab Mitternacht vollständig den Überblick über die tatsächliche Lage. Eine Warnung der Bevölkerung fand nicht statt. Die Flut überraschte die meisten Menschen im Schlaf.


Eine zentrale Koordination des Rettungseinsatzes war bis zum Erscheinen des damaligen Innensenators Helmut Schmidt, der ab dem Morgen des 17. Februars die zentrale Einsatzleitung für das Hamburger Stadtgebiet übernahm, nicht möglich. Einen anfänglichen Überblick über das Ausmaß der Katastrophe bekamen die Zuständigen erst in den Vormittagsstunden des 17. Februars. Nach den bis dahin eingegangenen Meldungen war zu befürchten, dass die Sturmflut allein in Hamburg mehrere tausend Tote fordern würde. Da Helmut Schmidt zuvor als Abgeordneter des Bundestages mit Verteidigungsangelegenheiten befasst war und die meisten Kommandierenden der NATO persönlich kannte, konnte er noch am Morgen des 17. Februar, obwohl verfassungsrechtlich nicht dazu befugt, NATO-Streitkräfte und hier insbesondere Pioniertruppen mit Sturmbooten sowie 100 Hubschrauber der Bundeswehr und der Royal Air Force anfordern. Diese unterstützten nun die etwa 25.000 zivilen Helfer des Deutschen Roten Kreuzes, des Technischen Hilfswerkes und der schon seit Beginn der Katastrophe im Dauereinsatz befindlichen Feuerwehr.


Mit Schlauchbooten konnten Überlebende aus den höhergelegenen Etagen der Wohnblocks gerettet werden, denn die Straßen waren weiterhin unter Wasser und nicht passierbar. Von den Hausdächern rettete man unterkühlte Menschen mit Hubschraubern. Altbundeskanzler Helmut Schmidt wird noch heute für sein durchgreifendes Handeln geehrt. Und zum Gedenken der Flutopfer fanden sich am 26. Februar 1962 mehr als 150.000 Menschen auf dem Hamburger Rathausmarkt zu einer großen Trauerfeier ein.


Recht nah am Geschahen war das RTL-Drama „Die Sturmflut”, das es auch auf DVD gibt: Die Sturmflut


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