Neue Reportage-Rubrik

Gestrandet auf dem Vogelsand

Die Frachter „Ondo” und „Fides” unentrinnbar gefangen auf dem großen Vogelsand. (Foto: Tim Schwabedissen)

Im Winter 1961/1962, kurz vor der großen Sturmflut strandeten die Frachtschiffe „Ondo” und „Fides” kurz hintereinander auf dem Großen Vogelsand, einer berüchtigten Sandbank in der Elbmündung. Jetzt, nach 50 Jahren ist von den Schiffen so gut wie nichts mehr übrig, aber an der Küste gehört der Todeskampf der beiden Dampfer immer noch zu den ganz großen Schiffs-Katastrophen.

Der große Vogelsand im Außenbereich der Elbmündung gilt als Monster. Er liegt genau dort, wo der letzte Teil der Elbe sich nach Westen Richtung Nordsee öffnet und wo schon bei sechs Windstärken der Teufel los ist, wenn die Tide gegen den Wind läuft. Wenn sich auch bei Sonnenschein und lauer Brise gern die Seehunde auf der weißen, bei Ebbe freiliegenden Sandfläche aalen, so ist der Sand doch äußerst tückisch. Er ist so mit Wasser durchsetzt, dass er ständig in Bewegung ist und seine Form und Ausdehnung mit Wind und Seegang verändert. Wer kennt es nicht, wenn man am Nordseestrand steht und im leisen Spiel der Wellen, die Füße immer tiefer einsinken, bis man sich nur noch mit Mühe befreien kann. Für die Schifffahrt auf der Elbe ist der Sand besonders gefährlich, weil er direkt an der Nordseite des Fahrwassers liegt und das Festkommen auf dem Sand schnell zum Todesurteil selbst für ein großes Fahrzeug werden kann.

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