Vor 50 Jahren

Gestrandet auf dem großen Vogelsand

„Ondo” und „Fides” kurz nach der Strandung. (Fotos: „Ondo” – Tim Schwabedissen; „Fides” – DGzRS

Im Winter 1961/1962, kurz vor der großen Sturmflut strandeten die Frachtschiffe „Ondo” und „Fides” kurz hintereinander auf dem Großen Vogelsand, einer berüchtigten Sandbank in der Elbmündung. Jetzt, nach 50 Jahren ist von den Schiffen so gut wie nichts mehr übrig, aber an der Küste gehört der Todeskampf der beiden Dampfer immer noch zu den ganz großen Schiffs-Katastrophen.

Der große Vogelsand im Außenbereich der Elbmündung gilt als Monster. Er liegt genau dort, wo der letzte Teil der Elbe sich nach Westen Richtung Nordsee öffnet und wo schon bei sechs Windstärken der Teufel los ist, wenn die Tide gegen den Wind läuft. Wenn sich auch bei Sonnenschein und lauer Brise gern die Seehunde auf der weißen, bei Ebbe freiliegenden Sandfläche aalen, so ist der Sand doch äußerst tückisch. Er ist so mit Wasser durchsetzt, dass er ständig in Bewegung ist und seine Form und Ausdehnung mit Wind und Seegang verändert. Wer kennt es nicht, wenn man am Nordseestrand steht und im leisen Spiel der Wellen, die Füße immer tiefer einsinken, bis man sich nur noch mit Mühe befreien kann. Für die Schifffahrt auf der Elbe ist der Sand besonders gefährlich, weil er direkt an der Nordseite des Fahrwassers liegt und das Festkommen auf dem Sand schnell zum Todesurteil selbst für ein großes Fahrzeug werden kann.


Novembersturm 

Seinen Ruf als Killer hatte die Sandbank spätestens weg, als am 23.November 1930 der Dampfer „Luise Leonhardt” bei Westnordweststurm bis Stärke neun mit Ruderketten- und Ankerkettenbruch in den Brechern des Vogelsandes scheiterte und 30 Besatzungsmitglieder ums Leben kamen. Hilfsaktionen von großen Seeschleppern und Rettungsbooten mussten abgebrochen werden, weil die See in der Elbmündung zu hoch ging. Alle großen Hamburger Zeitungen berichteten damals darüber und der Gedenkgottesdienst für die auf den Sänden gebliebenen Seeleute fand am fünften Dezember 1930 in Altona unter großer Anteilnahme der Bevölkerung statt, denn schon einige Tage vorher in der Nacht vom zehnten auf den elften November war das Motorschiff „Stralsund” mit 13 Mann Besatzung ebenfalls in der Elbmündung untergegangen.


„Von den Mahlsänden ist noch kein Schiff wieder heruntergekommen – es sei denn in zwei Teilen”





So beschrieb das Hamburger Abendblatt die Meinung an der Küste. So ganz Unrecht sollte die Zeitung nicht haben, denn das Monster lag immer auf der Lauer und schlug dreißig Jahre später im Sturmflutwinter 1961/1962 gleich zweimal kurz hintereinander erbarmungslos zu, als es erst den mit Kakaobohnen beladenen Frachter „Ondo” nicht mehr losließ und nur eineinhalb Monate später den italienischen Erzfrachter „Fides” in kürzester Zeit auseinanderbrach und verschlang.


Was sich in der Elbmündung bei den dramatischen Untergängen von „Ondo” und „Fides” abspielt lesen Sie hier:


Die Strandung der „Ondo”


Der Untergang der „Fides”


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