An der Nordsee wird Deutschlands erstes Korallenriff gehäkelt
The Föhr Reef
Auf der Nordseeinsel Föhr wächst ein Korallenriff heran. Vom 13. Januar bis zum 9. Juni 2012 wird im Museum Kunst der Westküste in einem Grenzen überschreitenden, kollektiven Kunstprojekt ein buntes Korallenriff, The Föhr Reef, entstehen, genauer – gehäkelt werden.
The Föhr Reef wird als gemeinsame Handarbeit vieler einzelner Häklerinnen aus Schleswig-Holstein und Süddänemark über mehrere Monate Gestalt annehmen. Vom 10. Juni bis zum 16. September wird The Föhr Reef im Rahmen einer größeren Ausstellung mit dem Titel The Hyperbolic Crochet Coral Reef. The Föhr Reef im Museum Kunst der Westküste präsentiert werden.
The Föhr Reef entsteht als partizipative Aktion, die allen Interessierten offensteht und keine weiteren Vorkenntnisse verlangt. Alle Beteiligten sind die Künstler, die dem Korallenriff zum Wachsen verhelfen. Das Projekt zelebriert die uralte Kulturtechnik des Handarbeitens. Zugleich setzt das gehäkelte Riff ein ökologisches Statement und erweist sich als farbenfrohe Mathematik zum Anfassen.
Das Projekt entsteht als Kooperation mit Margaret und Christine Wertheim vom Institute For Figuring in Los Angeles (IFF) und versteht sich als Teil einer weltweiten Kunstaktion, dem Hyperbolic Crochet Coral Reef Project (Hyperbolisches Gehäkeltes Korallenriff Projekt). Die australischen Zwillingsschwestern Margaret und Christine Wertheim, eine Wissenschaftlerin und eine Künstlerin, riefen im Jahr 2003 das Institute For Figuring in Los Angeles ins Leben, das sich der ästhetischen Seite mathematischer und naturwissenschaftlicher Theorien widmet. Im Jahr 2005 begannen die Schwestern an einem riesigen Korallenriff zu häkeln, das sich heute als Herzstück des Hyperbolischen Korallenriff Projektes in Los Angeles befindet.
Das Häkeln von korallenartigen Gebilden geht eigentlich auf die Mathematikerin Dana Taimina zurück, die ihre gehäkelten Modelle entwarf, um den hyperbolischen Raum zu visualisieren. Der mathematische hyperbolische Raum ist ein, bildlich gesprochen, in sich selbst gekrümmter, sich an jedem Punkt weiter ausdehnender Raum. Man kann ihn sich ungefähr wie ein gewelltes Salatblatt vorstellen. Lange galt die hyperbolische Geometrie als ein schwer vorstellbarer und zweifelhafter Sonderfall der Mathematik. Inzwischen deutet viel darauf hin, dass sich die hyperbolische Geometrie besser als andere Theorien dazu eignet, die Struktur bestimmter natürlicher Organismen, wie Blätter, Quallen, Anemonen oder eben Korallen, mathematisch zu verstehen. Erst die gehäkelten Modelle Taiminas machten die hyperbolische Geometrie anschaulich. Christine und Margaret Wertheim griffen die Idee auf und riefen ein gigantisches kollektives Kunstprojekt ins Leben. Inzwischen sind mithilfe von über 5000 Mitwirkenden mehr als 20 Korallenriffe in gemeinschaftlicher Handarbeit in den USA, in Australien und Europa entstanden und in renommierten Museen ausgestellt worden.
The Föhr Reef wird das erste seiner Art in Deutschland sein. Das gehäkelte Korallenriff erinnert auch an die bedrohte Schönheit maritimer Ökosysteme. Natürliche Korallenriffe stellen einzigartige Biosphären dar, in denen unzählige andere Tier- und Pflanzenarten leben. Durch Verschmutzung des Meerwassers, Überfischung und Klimaerwärmung ist heute bereits über ein Fünftel aller Korallenriffe weltweit verschwunden.
Wie die natürlichen Korallenriffe als ein Miteinander von verschiedensten Meereslebewesen funktionieren, so entsteht auch das gehäkelte Korallenriff nur aus der Zusammenarbeit vieler Teilnehmer. Das Museum Kunst der Westküste möchte mit diesem Projekt Grenzen überschreiten – zwischen Deutschland und Dänemark, zwischen Insel und Festland, auch zwischen Kunst und Handarbeit. Eine Kooperation des Museum Kunst der Westküste mit dem Verein der Landfrauen Föhr und den Museen im dänischen Tondern, die über einen großen Freundeskreis von handarbeitenden KunstliebhaberInnen verfügen, ist bereits initiiert.
Ab Januar wird gehäkelt
In einer Auftaktveranstaltung am Freitag, den 13. Januar 2012, und Samstag, den 14. Januar 2012 führte Margaret Wertheim vom IFF in einem Vortrag und Workshop mit Häkelanleitungen in die theoretische und die praktische Seite des Projektes ein. Vortrag und Workshop werden simultan übersetzt. Im Anschluss werden von Januar bis Juni 2012 wöchentliche Häkelsitzungen in Grethjens Gasthof, dem Café des Museums Kunst der Westküste, stattfinden. Christine Wertheim vom IFF wird dann den Aufbau des gehäkelten Riffs koordinieren und die Ausstellung The Hyperbolic Crochet Coral Reef. The Föhr Reef (10.6.-16.9.2012) im Museum Kunst der Westküste am 9.6.2012 eröffnen. Die Ausstellung zeigt The Föhr Reef und weitere gehäkelte Unterwasserorganismen des IFF. Alle Interessierten sind herzlich eingeladen, sich am Projekt zu beteiligen! Vortrag, Workshop und Häkelsitzungen stehen allen Interessierten offen. Wolle und Nadeln stehen zur Verfügung. Spezielle Vorkenntnisse sind nicht erforderlich. Einstieg ist jederzeit möglich Anmeldung erforderlich.
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