Austern, Algen, Queller und Co.

Watt für Feinschmecker

Kulinarischer Küsten-Klassiker: Krabben.

Millionen Zugvögel können nicht irren: Der Meeresboden und die Salzwiesen im Wattenmeer an der Nordseeküste Schleswig-Holsteins sind an Artenvielfalt und Reichtum ein wahres Schlaraffenland. Aber auch für zweibeinige Genießer warten in dem einzigartigen Naturraum, der im Juni 2009 von der UNESCO zum Weltnaturerbe gekrönt wurde, von Algen über Austern und Muscheln bis zu Plattfischen und Krabben kulinarische Köstlichkeiten. Direkt auf einer Wattwanderung, frisch vom Kutter oder raffiniert zubereitet in einem Restaurant an der Küste genossen sind sie unvergessliche Geschmackserlebnisse.

Im Watt den Spargel des Meeres vernaschen

Er wächst im Watt und auf Salzwiesen nahe des Flutsaums, sieht aus wie ein Mini-Kaktus und ist von einem prallen Grün: Der Queller, auch Salicornia, Meerfenchel oder Passepierre genannt, ist der Spargel des Meeres. Für sein gutes Gedeihen sorgt die Nordsee, die ihn zweimal täglich überspült. Im Juni, wenn die Saison des prall mit Wasser gefüllten Gemüses beginnt, dient es als knackig-gesunder Snack auf Wattwanderungen. So günstig wie hier ist das „Friesenkraut” sonst nirgends zu haben: In Feinkost- oder Fischgeschäften kostet das Kilo mindestens stolze 25 Euro und in den Restaurants an der Küste bieten Spitzenköche es in raffinierten Varianten an. Frisch aus dem Wattenmeer: Deutschlands einzige Austernzucht Direkt vor der Küste Sylts gedeihen, gut genährt vom einzigartigen Wattenmeer, die Austern von Deutschlands einziger Austernzucht. Die Austernfischerei hatte auf Sylt eine Jahrhunderte lange Tradition, bis die Bestände im Jahr 1882 dermaßen überfischt waren, dass der Austernfang eingestellt werden musste. In Dittmeyer’s Austern-Compagnie in List werden die anspruchsvollen Meeresfrüchte seit 1986 wieder erfolgreich gezüchtet: Rund eine Millionen „Sylter Royal”-Austern reifen hier jährlich heran.


Kulinarischer Klassiker: Krabben aus der Nordsee

Die Nordseegarnele, die als Krabbe auf den leckeren Krabbenbrötchen landet, ist einer der häufigsten Wattenmeer-Bewohner. Auf Exkursionen zu den „Small Five”, den fünf kleinsten Lebewesen im Watt, machen Wattwanderer Bekanntschaft mit dem etwa acht Zentimeter langen Krebs, der sowohl als Räuber als auch als Beutetier eine Schlüsselart im ökologischen Gefüge des Wattenmeeres darstellt. Krabben sind der kulinarische Klassiker der Nordseeküste, Küstenbewohner und Urlauber genießen sie pur zwischen zwei Brötchenhälften, als „Hallig-Frühstück“ mit Rührei und Schwarzbrot, als „Porrenpan” in Petersiliensauce oder zusammen mit regionalen Spezialitäten wie Kohl oder Scholle.


Algen – Gesunde Gewächse aus der Nordsee genießen

Algen sind die häufigsten pflanzlichen Bewohner des Wattenmeeres und wahre Überlebenskünstler: Sie haben sich perfekt an den extremen Wechsel von Überflutung, Salz, Übersandung und Überschlickung, Strömung, Wellenschlag und Sandflug angepasst. In der Küche Ostasiens haben Algen eine lange Tradition und gelten aufgrund ihres geringen Fettgehalts und dem hohen Anteil an Mineralstoffen und Vitaminen als Schönmacher. Auch Nordseealgen haben es in sich: Auf der Sylter Algenfarm werden Laminaria Braunalgen für den kulinarischen Genuss gezüchtet, die aufgrund ihrer kurzen Wachstumsphase von drei bis vier Monaten weniger jodhaltig sind als ihre asiatischen Kollegen. Die Algen sollten am besten eine Minute lang in heißem Wasser blanchiert werden, sodass sich der Jodgehalt um 50 Prozent verringert. Köstlich schmeckt das Meeresgemüse in Butterschmalz angebraten, mit Weißwein gelöscht und Knoblauch gewürzt.


Der Name täuscht: Frische Miesmuscheln aus der Nordsee machen gute Laune

Sie tragen den Geschmack der Nordsee in ihrer Schale: Miesmuscheln sind frisch, würzig und so gesund wie ein Urlaub an der Nordsee. Der Nordsee-Bewohner, der zu den bekanntesten Bewohnern des Wattenmeeres zählt, hat eine bedeutende Funktion als Mini-Kläranlage, die große Mengen von Nordseewasser filtriert und ihm dabei die Nährstoffe entzieht. Außerdem richtet sie als Schlicksammlerin den Baugrund für andere Wattbewohner her und ist Nahrung für Vögel, Seesterne, Krabben - und Menschen. An der Nordsee Schleswig-Holstein fehlen Miesmuscheln auf kaum einer Speisekarte – am liebsten in einem Sud aus verschiedenen Zutaten wie Porree, Sellerie, Möhre, Petersilie, Zwiebeln und Weißwein gekocht und mit frischem Baguette serviert. „Mies” stammt übrigens vom mittelhochdeutschen Wort für „Moos” und bezieht sich auf die braunen Fäden, die wie Moos aussehen und mit denen sich die Muschel in ihrer Kolonie gegen Verdriftung schützt. Ob im Blätterteig, exotisch oder als friesischer Muschelschmaus – die gesunden Schalentiere können in zahlreichen köstlichen Varianten zubereitet werden.


Scholle, Steinbutt und Seezunge frisch aus dem Wattenmeer gefischt

Plattfische wie Scholle, Steinbutt und Seezunge machen im Sommer fast zwei Drittel der Fischbevölkerung des Wattenmeeres aus. Indem sie die Färbung ihrer Haut der Umgebung anpassen oder sich in Sand und Schlick eingraben, können sie sich praktisch unsichtbar machen. Plattfische wachsen und jagen auf dem Nordseegrund, bis sie die richtige Größe und das richtige Gewicht erreicht haben, um zu köstlichen Fischgerichten zubereitet zu werden. Kulinarische Klassiker an der Nordseeküste sind die mit Krabben gefüllte Scholle „Büsumer Art” und die Scholle „Finkenwerder Art” mit Speck. Der Steinbutt ist einer der edelsten Vertreter der Plattfische, er wurde schon in der Antike als Delikatesse geschätzt und ist – ebenso wie die Seezunge - einer der teuersten Speisefische.

Weitere kulinarische Ideen erhalten Sie hier: http://www.nordseetourismus.de/de/kultur-genuss 


Weitere Informationen über Norddeutschland veröffentlicht das Urlaubsmagazin LAND & MEER (7,90 Euro) sowie die handliche A5-Broschüre FAHRRAD-WANDERN-WALKING (7,90 Euro) beide versandkostenfrei zu bestellen HIER: LAND&MEER Shop