Bislang größter Besatzversuch des ausgestorbenen Kaviarfischs
1000 Störe für die Oste
Bei den international beachteten Bemühungen um die Wiederansiedlung des Europäischen Störs in der niedersächsischen Oste ist am vergangenen Wochenende ein wichtiger Fortschritt erzielt worden. In Oberndorf (Landkreis Cuxhaven) startete das Berliner Leibniz-Institut für Gewässerkunde und Binnenfischerei (IGB) die größte bislang im Osteland vorgenommene Besatzaktion mit dem in Deutschland seit langem ausgestorbenen Kaviarfisch.
Am 2009 eingeweihten schwimmenden Stördenkmal „Hein Stör” in Oberndorf und anschließend im Oberlauf der Oste zwischen Bremervörde und Zeven (Landkreis Rotenburg/Wümme) wurden am Sonnabend insgesamt 500 Jungstöre aus französischer Nachzucht dem längsten Nebenfluss der Niederelbe übergeben. Weitere 500 Jungfische sollen sich vom kommenden Frühjahr an in der Oste tummeln können.
„Das ist ein historischer Moment,” urteilte in Oberndorf der Vorsitzende des Arbeitskreises Wanderfische, Wolfgang Schütz (Osten), in Anwesenheit vieler Vertreter aus Kommunalpolitik, Wassersport und Sportfischerei. Schütz erinnerte daran, dass die früher hier vertretene Stör-Art (Acipenser sturio) in der Oste wie überall in Deutschland bereits vor dem Ersten Weltkrieg durch Überfischung sowie Gewässerverbau und -verschmutzung ausgerottet worden war. Weltweit hat diese Spezies lediglich im südfranzösischen Gironde-, Garonne- und Dordogne-Becken überleben können.
Der Diplom-Biologe Dr. Jörn Geßner vom Berliner Leibniz-Institut zeigte sich erfreut, dass es seinen Kollegen vom französischen Umweltforschungsinstitut Cemagref in diesem Sommer gelungen ist, mit Hilfe von fünf Störweibchen und sieben Störmännchen - einem Dutzend Vertretern der Letzten ihrer Art - Abertausende von Larven zu reproduzieren. Einen kleinen Teil davon hat Frankreich der Bundesrepublik aufgrund eines Kooperationsabkommens zur Verfügung gestellt.
Zugleich sagte Geßner den Sportfischern an der Oste sowie der gemeinnützigen Arbeitsgemeinschaft Osteland Dank, die sich mit „viel Enthusiasmus” für das Stör-Projekt einsetzten und ein „phänomenales Klima” für den Artenschutz geschaffen hätten. Neben dem Sportfischer-Sprecher Schütz und dem AG-Osteland-Mitstreiter Albertus Lemke (Oberndorf) überreichte Geßner auch dem Vorstand des Bootsclubs Elm, der technische Hilfe bei der Forschungsarbeit geleistet hat, ein Stör-Emblem.
Die drei Monate alten Störe aus Frankreich waren am Donnerstag nach 18-stündiger Nonstop-Fahrt mit einem französischen Spezialtransporter zunächst im Forschungsinstitut in Berlin-Friedrichshagen eingetroffen. Dort eingefunden hatten sich aus diesem Anlass auch der Ostener Wanderfisch-Experte Schütz sowie Jochen Bölsche, Vorsitzender der Arbeitsgemeinschaft Osteland.
Auf dem Institutsgelände am Müggelsee konnten die Besucher von der Oste beobachten, wie die Wissenschaftler die 500 handverlesenen Jungtiere für das Oste-Projekt zusammenstellten und jeden zehnten Stör mit einem Markierungsfähnchen versahen. Weitere 500 Exemplare der 7 bis 15 Zentimeter großen Fische sollen im Berliner Institut zunächst weiter aufgezogen und dann im Frühjahr in der Oste ausgesetzt werden.
Ein zweites „Wunder an der Oste”?
Bereits um das Jahr 2000 herum war Sportfischern um die Artenschutz-Pioniere Ernst Peters (Zeven) und Egon Boschen (Lamstedt) die Wiederansiedlung des in der Oste ebenfalls ausgerotteten Lachses gelungen. Das damalige „Wunder an der Oste”, so die Fachpresse, ermutigte die Sportangler, sich fortan auch dem Stör zu widmen. Aus Anlass des jüngsten Besatzversuchs hat „Störvater” Schütz an seine Sportfischerkollegen appelliert, gefangene Störe vor dem Wiederaussetzen zu fotografieren, etwaige Markierungsnummern zu notieren und den Fang mitzuteilen.
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