Windparks in der Deutschen Bucht
Eine Zukunft für Helgoland?
Im September 2011 startete gut 30 Kilometer nordwestlich von Helgoland der Baubeginn für den ersten von drei geplanten Windparks in der Deutschen Bucht. Die Betreiber haben Helgoland als Logistikzentrum für den Betrieb der Anlagen ausgewählt. Dies bedeutet zwischen 50 und 150 neue Arbeitsplätze auf der Insel.
Viel ist noch nicht zu sehen im Südhafen der Insel Helgoland. Ein kleines Boot zieht seine Kreise, auf der Suche nach Munitionsresten aus dem letzten Krieg. Doch die Ruhe täuscht. Hier im sonst nur manchmal von Seglern besuchten Südhafen der Inselgemeinde sollen die Kailmauer ertüchtigt, Lagerhallen und Büros errichtet und eine Schaltzentrale gebaut werden, die die drei in der deutschen Bucht geplanten Windparks steuern soll.
Mit dem ersten Rammschlag im September letzten Jahres startete RWE Innogy den Bau des ersten der drei Parks. Allein 48 Anlagen mit einer Leistung von je sechs Megawatt will der Konzern im Windpark „Nordsee Ost” errichten. Ziemlich in der Nähe, aber ein Jahr später wird der Konzern E.ON, der Helgoland jetzt schon mit Landstrom versorgt, seinen Park „Amrumbank” ins Meer stellen. 300 Megawatt sollen die Turbinen nach der Fertigstellung leisten, vorausgesetzt, der Wind weht im Mittel mit 10 Metern pro Sekunde. Noch ein Jahr später soll das zu 80 Prozent von der Blackstone Group finanzierte „Projekt Meerwind Süd I Ost” an den Start gehen. Alle drei Windparks werden zusammen um die 1.000 Megawatt Strom liefern. Das ist ungefähr ein Drittel des gesamten Schleswig-Holsteinischen Bedarfs.
Helgoland als Schaltzentrale
Für Bürgermeister Jörg Singer ist die Entscheidung der Investoren für Helgoland ein wichtiger Schritt in die Zukunft, wie er auf der Pressekonferenz der Windpark-Betreiber erklärte. Denn trotz der gescheiterten Bürgerabstimmung über die Verbindung zwischen der Hauptinsel und der Düne (Das war unsere letzte Chance), ist die Gemeinde jetzt in der Lage den Investoren mit dem Gelände im Südhafen den Platz zur Verfügung zu stellen, den sie benötigen. Auch auf dem Oberland ist Gelände bereitgestellt worden, denn dort soll so schnell wie möglich ein Wohngebäude mit 35 Appartements für Servicetechniker des Windparks „Projekt Meerwind Süd I Ost” errichtet werden. Wird der Bau der Windparks wohl im Wesentlichen von Bremerhaven aus betreut, so soll Helgoland während der für 25 Jahre geplanten Betriebszeit der Parks die Schalt - und Wartungszentrale werden. „Kurze Wege und eine gute nachgelagerte Servicelogistik sind wesentliche Voraussetzung für den wirtschaftlichen Betrieb solcher Kraftwerke”, erklärte Jens Assheuer, Geschäftsführer der WIndMW GmbH. Hier ist Helgoland mit seinem eisfreien und tiedeunabhängigem Hafen allen Küstenstandorten gegenüber deutlich überlegen.
Windparks als Touristenattraktion
Wenn die Rotoren von der Insel wohl kaum zu sehen sein werden, so denkt man auf der Insel schon darüber nach, ob die Parks in Helgolands Tourismus Konzept mit einbezogen werden können. Denkbar wären, laut Bürgermeister Singer, Ausflugsfahrten in die Parks. Interesse an der neuen nachahltigen Energiegewinnung scheint bei den Helgolandurlaubern durchaus vorhanden zu sein. So verzeichnetet das im Hafen vertäute Küstenmotorschiff „Greundiek”, mit einer Ausstellung über Offshore-Energiegewinnung großen Zuspruch von den Urlaubern.
Nach dem Willen der Investoren sollen die drei Parks Ende 2013 ans Netz gehen, doch hier gibt es noch große planerische Risiken, wie Prof. Martin Skiba, der Leiter Offshore-Windkraft bei RWE Innogy ausführte. „Außer ein paar unverbindlichen Zusagen des verantwortlichen Netzbetreibers, der den Landanschluss zur Verfügung stellen muss, liegt uns leider noch nichts vor.”
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