Keine Verbindung zwischen Insel und Düne
Das war unsere letzte Chance
Insel Hotelier Detlev Rickmers ist frustriert. Der Bürgerentscheid über die Aufspülung des Riffs zwischen Hauptinsel und Düne zur Landgewinnung ist knapp gescheitert. „Das war unsere letzte Chance, um als Gemeinde lebensfähig zu bleiben”, erklärte er dem Hamburger Abendblatt.
Schon im Jahre 2008 hatte sich der Hamburger Unternehmer Arne Weber mit einem zukunftsweisenden Projekt an die Öffentlichkeit gewagt. Eine Verbindung zwischen der Hauptinsel und der vorgelagerten Düne sollte den alten Zustand von vor 300 Jahren wieder herstellen und der Hochseeinsel dringend benötigtes Bauland verschaffen. Durch Raubbau am Riff zur Kalkgewinnung hatten die Helgoländer die Landverbindung so geschwächt, dass die Neujahrsflut 1721 durch das weiche Riff durchbrach und Insel und Düne voneinander trennte.
Weber, Unternehmer der Firma H.C. Hagemann, selbst mit Wurzeln auf der Insel und durch große Wasserbauprojekte vor Ort intimer Kenner der Insel, hatte eine Machbarkeitsstudie von der TU Harburg anfertigen lassen und sah die Finanzierung des Projekts durch Investoren gesichert. Doch auf der Insel stieß seine Idee keineswegs auf Gegenliebe.
Es geht ein Riss durch Helgoland
Gegner und Befürworter der Inselerweiterung lieferten sich heftige Diskussionen. Sahen die einen und dazu gehörten der neu gewählte Bürgermeister Singer und der Kurdirektor Furtmeier die Landgewinnung als große Invvestition in die Zukunft der Gemeinde, so sprachen die Gegner unter anderem von einem „Dubai der Nordsee” und befürchteten dass dann kein Geld für dringend anstehende Investitonen im Altbestand der Insel vorhanden sein werde. Auch die Umweltverbände sahen die Landgewinung kritisch. Hier fürchtete man um die Kinderstube der Kegelrobben auf der Düne.
Mit einem Abstimmungergebnis von 583 Stimmen gegen und 482 Stimmen für die Inselverbindung bei einer Wahlbeteiligung von 81,4 Prozent ist die Insel tief gespalten. Für den Bürgermeister und den Kurdirektor ist die Abstimmungsschlappe ein schwerer Schlag, denn sie müssen einerseits die Gemüter auf der Insel wieder beruhigen und andererseits Lösungen finden, wie man entlang der Hauptinsel Land gewinnen kann, denn das wird so dringend benötigt wie die Luft zum atmen. Einerseits möchte man die Bettenkapazität auf der Insel nachhaltig erhöhen, andererseits möchte die Gemeinde der Offshore-Windindustrie Platz bieten, um Helgoland als Versorungsstützpunkt für die Windparks in der Nordsee zu etablieren.
Findet sich hier keine allseits aktzeptierte Lösung wird die Gemeinde wohl auf Dauer kaum überlebensfähig sein, denn mit nur 1.300 Einwohnern hat die Inselgemeinde keine Zukunft. Schon jetzt gibt es keinen Zahnarzt mehr auf der Insel und die Inselkinder müssen aufs Festland, um weiterführende Schulen zu besuchen. Mindestens 2.000 Menschen müssen dauerhaft auf der Insel leben,damit die Gemeinde überleben kann. Davon ist die Insel zur Zeit weit entfernt und mit der Abstimmungsentscheidung steht die weitere Zukunft auch in den Sternen.Mit dem vor sich hin dümpelnden Duty-Free Geschäft wird Helgoland sich in Zukunft nicht über Wasser halten können.
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