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ANTON CORBIJN. THE LIVING AND THE DEAD
Anton Corbijn (1955): Henry Rollins, El Mirage 1994, Leihgabe des Künstlers, © Anton Corbijn, 2018

Das Bucerius Kunst Forum zeigt zur Triennale der Photograhie Hamburg 2018

ANTON CORBIJN. THE LIVING AND THE DEAD

Vom 7. Juni 2018 bis zum 6. Januar 2019 widmet das Bucerius Kunst Forum dem niederländischen Fotografen Anton Corbijn (geb. 1955) eine umfangreiche Ausstellung. Anton Corbijn. The Living and the Dead zeigt die ikonischen Porträts von Musikern und Bands wie Joy Division, Depeche Mode, Tom Waits, U2 oder den Rolling Stones, die Corbijn berühmt gemacht haben.

Im Zentrum der Schau steht seine autobiografischste Serie: a. somebody. Für diese inszenierte sich Corbijn als Musiker und fotografierte sich in der ländlichen Umgebung seines Geburtsorts Strijen. Die Faszination für die Idole seiner Jugend, wie John Lennon, Jimi Hendrix oder Janis Joplin, wurde für den Künstler prägend. Sie half ihm, sich geistig von der einengenden Provinz und der Fixierung seines religiösen Elternhauses auf das Leben nach dem Tod zu befreien. „I wanted to be freer, and the music represented that for me", so Corbijn.

Die Ausstellung im Bucerius Kunst Forum umfasst 119 analog entstandene Arbeiten Anton Corbijns, darunter bisher unveröffentlichte Aufnahmen. Kurator Franz Wilhelm Kaiser gliedert die Schau in zwei Teile. Der erste Teil der Ausstellung widmet sich den meist als Auftragsarbeiten entstandenen Musikerporträts und zeigt eine Auswahl von 77 seiner bekanntesten Fotografien aus 40 Jahren seines Schaffens. Dabei handelt es sich um Arbeiten aus verschiedenen Serien, die jeweils ein eigenes Format und eine eigene Ästhetik aufweisen. Viele davon wurden zu ikonischen Bildern. Sein imperfekter, narrativer Stil prägte das Image zahlreicher Musiker und passte zu dem Selbstverständnis dieser Künstler, die sich von den Rockmusikern der älteren Generation abheben wollten. Corbijns völlig unglamouröse Mischung von leicht arroganter Pose und Natürlichkeit war etwas ganz Neues in der Musikfotografie. Bei seinen Auftragsarbeiten erkämpfte Corbijn sich schon früh schöpferische Freiheit, um seinen sehr eigenen Stil umsetzen zu können.

Wann wird Fotografie Kunst?

Seit langem lebt Anton Corbijn in einer Welt von Celebrities und Glamour, und so mag es verwundern, dass er sich immer wieder mit Sinnfragen des Lebens auseinandergesetzt hat. Dass viele der von ihm fotografierten Musiker relativ jung starben, beschäftigte Corbijn fortwährend. Ein früher Beleg dafür ist seine Anfang der 1980er Jahre entstandene Serie von Grabmonumenten auf katholischen Friedhöfen. Corbijns Suche nach dem ‚Warum' kulminierte zwanzig Jahre später in seinem Projekt a. somebody. Der zweite Teil der Ausstellung setzt den meist im Auftrag entstandenen Musiker-Porträts diese freien Arbeiten entgegen. Für die zweiteilige Serie a. somebody begibt sich Corbijn in der Maskerade von Musikern in die ländliche Umgebung seiner Kindheit und Jugend. Den in Strijen entstandenen Farbfotografien stehen hochformatige Schwarz-Weiß-Fotografien gegenüber, die im Studio aufgenommen wurden und an Passbilder erinnern. Diese Arbeiten sind die wohl freiesten Fotografien des Künstlers. In ihnen drücken sich die beiden bestimmenden Obsessionen seines Lebens aus: die seiner Eltern mit dem Leben nach dem Tod (sein Vater war Pastor) und seine eigene mit der Musikwelt – seine verzweifelten Versuche, dort jemand (a somebody) zu sein. Für die Serie Cemeteries fotografierte Anton Corbijn keine Menschen, sondern ausnahmsweise Grabmonumente in seiner charakteristischen Bildsprache. Diese bisher nicht veröffentlichte Serie entstand 1982, in der Zeit Corbijns großen Durchbruchs.

Wie viele Fotografen hat Corbijn lange an der Schnittstelle zwischen freier und angewandter Fotografie gearbeitet. Und so untersucht die Ausstellung anhand seiner Porträts von Bands und Musikern, seiner Musiker-Selbstporträts und der bisher noch nie gezeigten Cemeteries-Serie nicht nur Corbijns Auseinandersetzung mit „den Lebenden und den Toten", sondern thematisiert zudem eine selten gestellte Frage: Wann wird Fotografie Kunst?

Der Katalog zur Ausstellung mit Beiträgen von Daria Dittmeyer-Hössl, Franz Wilhelm Kaiser und Marie-Noël Rio erscheint im Schirmer/Mosel Verlag, München (ca. 220 Seiten mit Abbildungen aller ausgestellten Werke, 39,80 € in der Ausstellung, deutsch/englische Ausgabe).

Die Ausstellung ist der Beitrag des Bucerius Kunst Forums zur Triennale der Photographie Hamburg 2018.

www.buceriuskunstforum.de

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