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Das Gold des Meeres
Die beste Zeit, Bernstein zu finden, besteht nach einem frischen oder starken auflandigen Windeinfall.

Bernstein wird immer teuerer

Das Gold des Meeres

Bernstein fasziniert die Menschen seit Jahrtausenden. Über die alten Handelswege, die Bernsteinstraßen, gelangte das wertvolle Naturprodukt zu den Römern, Griechen und bis nach Ägypten. Heute zahlen chinesische Händler sehr große Summen, um baltischen Bernstein nach Asien zu holen. Text und Fotos: C. Gröhn

Besonders schöne Exemplare wurden sogar mit Gold aufgewogen. Im Mittelalter war die Bevölkerung verpflichtet, unbearbeiteten Bernstein abzugeben und es gab sogar Zeiten, in denen Zuwiderhandlungen mit dem Tode bestraft wurden. Der Bernstein wurde in dieser Zeit zu Gebetsketten verarbeitet, dem Weihrauch beigemengt und mit ihm reger Handel betrieben. Erst Anfang des 20. Jahrhunderts stieg das Interesse an Bernstein wieder, und Institutionen wie die Staatliche Bernstein-Manu­faktur Königsberg (SBM) wurden durch ihre kunsthandwerkliche und kunstgewerbliche Bernsteinverarbeitung be­rühmt. Die Entwicklung von Kunstharzen wie Bakelit, die dem Bernstein täuschend ähnlich sahen, und die zeitweise zu starke Förderung von Rohbernstein durch den Bernstein-Tagebau von Palmnicken (das heutige Jantarny bei Kaliningrad), führte zu fallenden Erlösen. Nach 1945 war das allgemeine Interesse an Bernstein gering, der „Omaschmuck" war „out". Jetzt erlebt der Bernstein eine Renaissance. Neue, moderne Kreationen, die Rückbesinnung auf heilende Kräfte, das steigende Interesse an Bernstein im Ausland, verbunden mit einer reduzierten Fördermenge, führten dazu, dass im Laufe der letzten 10-15 Jahre der Bernsteinpreis für bestimmte Bernsteinarten stetig stieg, in den letzten 3-5 Jahren sogar sprunghaft.

Außergewöhnliche Steine erziehlen sehr hohe Preise

Bernstein ist fossiles, versteinertes Harz. Die viel jüngere Zwischenstufe Kopal, die manchmal fälschlicherweise als Bernstein verkauft wird, verwittert an der Luft schnell und ist anfällig gegen Lösungsmittel. Harz – und damit später auch der Bernstein – kann unterschiedliches Aussehen haben und an unterschiedlichen Stellen des Baumes entstanden sein. Noch vor zehn Jahren war der klare Bernstein der beliebteste und wertvollste. Durch die Nachfrage und Vorliebe der Chinesen für milchigen Bernstein („butterscotch") ist dieser in den letzten Jahren mehr gefragt und damit immer teurer geworden. Aber nur für größere, unbeschädigte Bernsteine fester Qualität werden sehr hohe Preise erzielt, also einige Euro das Gramm. Handelt es sich um ganz besondere Bernsteine, wie sehr große unversehrte Tropfen, Großbernsteine bester Qualität, seltenste Farbvarianten mit blau, alte Oliven-Bernsteinketten, dann geben Liebhaber auch zweistellige Eurobeträge pro Gramm aus. Das ist aber die Ausnahme. Bern­stein ist zwar teurer geworden, aber nicht so viel wert wie Gold!

Fossilien aus dem Bersteinwald

Besonders faszinierend sind die bis heute erhaltenen Einschlüsse fossiler Lebewesen im Bernstein. Sie geben uns einen Einblick in das Zeitalter Tertiär vor über 40 Millionen Jahren und ermöglichen uns, den „Bernsteinwald" zu rekonstruieren, der sich im skandinavischen Raum befand. Regenfälle schwemmten das Harz in Bäche, Flüsse und Seen und schließlich in das eozäne Meer, das ganz Norddeutschland bis weit nach Osten über Kaliningrad hinaus bedeckte.

Das Gold des Meeres
Bernsteinsammler auf der Suche
Zum Weiterlesen: Bernstein finden und erkennen

 Bernstein gibt es an der gesamten Ostseeküste – von Westen nach Osten zunehmend. Und an der Nordseeküste von den Ostfriesischen Inseln über die Elbmündung bis nach Dänemark. Die beste Sammelzeit ist nach auflandigem Windeinfall. Die besten Fundstellen an der Nordsee sind im Bereich von St. Peter-Ording, an der Ostseeküste auf Fischland und Darß, Rügen und Usedom. Ideal ist die Winterzeit: Bei vier Grad Celsius hat Wasser die größte Dichte, ist also im Vergleich zum Bernstein am schwersten, er wird leichter an den Strand gespült.

Erkennungsmerkmal: Bernstein schwimmt in einer 13–15prozentigen Salzwasserlösung (13–15 Gramm Salz auf 0,1 Liter Wasser). Im Vergleich sind Kunstharze schwerer und versinken.

Weitere Info über den faszinierenden Bernstein liefern die Bücher von Carsten Gröhn: www.ambertop.de und www.wachholtz-verlag.de

Alles über Bernstein, ISBN 978-3-529-05438-9, 29,90 Euro;

Einschlüsse im Baltischen Bernstein, ISBN: 978-3-529-05457-0, 49,80 Euro;

Bernstein suchen und sammeln, ISBN: 978-3-529-05441-9, 14,80 Euro;

Bernstein suchen und finden, ISBN 978-.3-529-05474-7, 7,90 Euro

Mehr Informationen über Bernstein finden Sie in der neuen Ausgabe von LAND & MEER. Sie bekommen das Magazin entweder am Kiosk für 8,90 Euro oder hier direkt versandkostenfrei im LAND & MEER Shop

 

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