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Moorleiche Bernie
Experten aus ganz Europa haben geholfen, dem „Mann aus Bernuthsfeld“ wieder ein Gesicht zu geben – mit Erfolg.

Ostfriesisches Landesmuseum Emden

Moorleiche Bernie

Zahlreiche Wissenschaftler entlockten seine Geheimnisse – Moorleiche als Zugpferd des Themenjahres „Land der Entdeckungen 2016“

Der „Mann aus Bernuthsfeld“, besser bekannt als Moorleiche „Bernie“, ist zurück von seiner Reise. Über vier Jahre lang war „Bernie“ unterwegs und wurde von 50 Wissenschaftlern und zahlreichen Technikexperten untersucht. Fachleute in Liverpool, Freiburg, Wettenberg und beim Landeskriminalamt in Magdeburg rekonstruierten das Gesicht des Toten, Spezialisten am „Institut für Rechtsmedizin am Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf“ (UKE) wollten die genaue Todesursache ermitteln. Zurück im Landesmuseum Emden, wird „Bernie“ seit diesem Frühjahr in einer aufwändigen Neupräsentation ausgestellt und bildet den Mittelpunkt des überregionalen Themenjahres „Land der Entdeckungen 2016“.

Blonde Haare, blaue Augen, starke Muskeln – Bernie war ein typischer Ostfriese

Die Geschichte von „Bernie“ ist spannend und kann durch viele naturwissenschaftliche, medizinische und rechtsmedizinische Untersuchungen nunmehr erzählt werden. „Bernie“ lebte in der zweiten Hälfte des 8. Jahrhunderts, war also Zeitgenosse Karls des Großen. Er starb im Alter von etwa 30 bis 40 Jahren, wobei die genaue Todesursache nicht festgestellt werden konnte. Der für seine Zeit mit 1,60 bis 1,70 Meter durchschnittlich große Mann verfügte über eine kräftige Statur mit einem markanten Kinn. Er hatte eine gut ausgebildete Beinmuskulatur, was auf einen Bauer war oder Reiter schließen lässt. Ohne Zweifel war Bernie ein Rechtshänder. Darüber hinaus lässt sich aufgrund von DNA- Untersuchungen fasst sicher feststellen, dass er blaue Augen hatte.

Wenig Karies, viel Arthrose

Im Kindes- und Jugendalter litt Bernie an Infektionskrankheiten und Mangelerscheinungen, die er aber alle gut überstand. Interessant ist, dass Bernie sich zeitweise periodisch wohl hauptsächlich von Süßwasserfisch ernährt hat. Ein Rippenbruch im Erwachsenenalter verheilte problemlos. Zeit seines Lebens plagten ihn dagegen eine chronische Entzündung der Kiefern- und Nasennebenhöhlen. Außerdem litt er an altersbedingter Gelenkarthrose, besonders in der Hüfte und im linken großen Zeh. Bemerkenswert gut zeigt sich der Zustand der Zähne, die einen geradezu gepflegten Eindruck machen. Nur an drei Zähnen lässt sich Karies nachweisen.

Allerdings hatte Bernie mit seiner Wirbelsäule zu kämpfen, da er an einem „Scheuermann“ litt, was ihn allerdings nicht zu sehr behindert hat. Denn insgesamt ist seine Muskulatur so gut ausgebildet gewesen, dass er seinen Körper – wie im Mittelalter üblich – stark belasten konnte und auch hat.

Nicht nur Leichen – dieses Jahr ist Ostfriesland besonders lebendig

Seit April 2016 wird – neben den Originalfunden sowie dem Skelett – „Bernies“ Kopf als dreidimensionale Nachbildung im Landesmuseum Emden zu sehen sein. Auch sind dort wie Rekonstruktionszeichnungen von kriminaltechnischen Experten zu bestaunen. Anhand originaler archäologischer Funde aus Ostfriesland aus dem 8. Jahrhundert werden sowohl die Umwelt zu Lebzeiten „Bernies“ als auch sein möglicher Lebensstil greifbar gemacht.

„Land der Entdeckungen 2016“

Doch auch in anderen Regionen Ostfrieslands können Touristen in diesem Jahr eine Menge erleben. Das Themenjahr „Land der Entdeckungen 2016“ steht dabei im Zeichen der verschiedenen Landschaftstypen und bezieht erstmalig die gesamte Weser-Ems-Region mit ein. Anhand von Ausstellungen, Theaterstücken, Radtouren, Konzerten und vielem mehr zeigen rund 40 Projekte im gesamten Weser-Ems-Gebiet die Wechselwirkungen der Landschaftstypen Marsch, Moor, Geest und Wattenmeer mit der hiesigen kulturellen Landschaft. Somit ist die Region besonders in diesem Jahr eine Reise wert. 

www.landesmuseum-emden.de

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