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Swingende Stadt am Kurischen Haff
Soundcheck am Hafen für das Klaipeda Castle Jazz Festival.

Klaipeda lockt mit Jazz-Musik und traumhafter Landschaft

Swingende Stadt am Kurischen Haff

Bläser, Schlagzeug und Gesang - Jazz-Musik zieht die Besucher in Scharen zur Bühne direkt am Hafen von Klaipeda. Etwa 20.000 Gäste besuchen jährlich das kostenlose Klaipeda Castle Jazz Festival, das jedes Jahr Anfang Juni im Schatten der ehemaligen Memelburg veranstaltet wird. Text und Fotos: Helmut Heigert

Treibende Kraft des Festivals ist Bürgermeister Vytautas Grubliauskas. Der Jazz-Trompeter, der seit 2011 an der Spitze der Stadt mit 160.000 Einwohnern steht, hat selbst das Festival von 1994 bis 2004 organisiert. "Zur Zeit der Sowjetunion war Jazz-Musik in der Stadt verboten", sagt Stadtführerin Nelly Gusowskaja.

Ob per Flugzeug, Bus, Fähre oder mit dem eigenen Boot - immer mehr Deutsche besuchen die Stadt an der Spitze der Kurischen Nehrung. Die rund 120 Kilometer Luftlinie von Kaliningrad (Königsberg) gelegene Stadt war bis zum Jahr 1920 die nördlichste Kommune Deutschlands.

Swingende Stadt am Kurischen Haff
Der alte Name Memelis ist noch im Stadtbild zu finden.
1252 wurde an Stelle einer hölzernen Burg der Kuren die Memelburg errichtet. Ein Jahr später gründeten Kaufleute aus Dortmund im Schatten der Burg die Stadt Memel. Bis heute findet sich der alte Name Memelis an Hotels, Restaurants und anderen Gebäuden in Klaipeda wieder. 1525 ging die vom Deutschen Orden verwaltete Stadt in den Besitz des Herzogtums Preußen über. Die damals zwischen Preußen und Litauen festgelegte Grenze bestand bis zum Jahr 1923 und war damit eine der am längsten unveränderten Grenzlinien in Europa. Nach einer Phase des Völkerbundmandats zwischen den beiden Weltkriegen und einer erneuten Zugehörigkeit des Memellandes zu Hitler-Deutschland, wurde die Stadt nach der Übernahme durch die Rote Arme 1945 Teil der Litauischen Sowjetrepublik. Erst nach der Unabhängigkeit Litauens im Jahr 1990 erlebt der größte Seehafen des Landes einen erneuten Aufschwung.

Im Stadtbild ist vom alten Memel nicht mehr viel zu erkennen. Viele der durch Kriegseinwirkungen zerstörten Kirchen wurden in den Nachkriegsjahren abgerissen.

Im Schatten des ehemaligen Burghügels liegen heute Yachten in einer Marina. Wahrzeichen der Stadt ist der Simon-Dach-Brunnen mit einer Figur der Ännchen von Tharau auf dem Theaterplatz in der Altstadt. Der 1605 in Memel geborene Dichter Simon Dach hatte im Jahr 1636 den Text für das Volkslied verfasst, das die Tochter des Tharauer Pfarrers Anna Neander besingt.

Swingende Stadt am Kurischen Haff
Endlose Sandstrände wie hier in Palanga warten auf Urlauber.
Traumhafte Landschaft am Kurischen Haff

Viele Touristen kommen aber auch wegen der traumhaften Landschaft am Kurischen Haff. Eine Fähre bringt die Ausflügler von Klaipeda nach Smiltyne (Sandkrug) auf der Spitze der Kurischen Nehrung. Der 98 Kilometer lange Sandstreifen trennt das Haff von der Ostsee. Davon gehören 52 Kilometer zu Litauen; die restlichen 46 Kilometer sind Teil der Oblast Kaliningrad, einer Exklave Russlands im ehemaligen Ostpreußen. Die Einfahrt von der offenen See in das Haff bei Klaipeda ist nur rund 300 Meter breit. Endlose Kiefernwälder bedecken die Nehrung unterbrochen nur von einigen Ortschaften und von riesigen Wanderdünen, die auch "ostpreußische Sahara" genannt werden. Erster Stopp ist nach knapp 20 Kilometern der Ort Juodkrante (Schwarzort). Hier lässt sich in einem Skulpturenpark ein Einblick in die littauische Mythologie gewinnen. Kurz vor der Grenze zu Russland liegt Nida. Das ehemalige Nidden galt zu Beginn des 20. Jahrhunderts als Künstlerkolonie. Viele Expressionisten wie Max Pechstein, Lovis Corinth und Karl-Schmidt-Rottluff kamen nach Nidden und wohnten im damaligen Gasthof Blode, der unter dem Namen Nidos Smilte noch heute existiert.

Auch der Schriftsteller Thomas Mann schätzte die schöne Aussicht auf das Haff und baute sich auf einer Düne von Nidden 1929 ein Ferienhaus. Der Dichter verbrachte mit seiner Familie die Sommerferien der Jahre 1930 bis 1932 in dem Haus und schrieb an seinem Vierteiler Joseph und seine Brüder. Heute dient das Thomas-Mann-Ferienhaus als Museum.

In der Marina von Nida liegen zahlreiche Yachten. Kapitän Viktoras Golubovskis bietet mit der Segelyacht "Neringa" Touren auf dem Haff an. Etwa 100 ausländische Segler kommen nach seinen Angaben jedes Jahr mit ihren eigenen Booten nach Nida: "Wer bis Klaipeda segelt, fährt meist auch noch weiter."

Swingende Stadt am Kurischen Haff
Eine Fähre der DFDS Seaways läuft in den Hafen von Klaipeda ein.
Reiseinfos:
Die dänische Reederei DFDS Seaways bedient die Route Kiel - Klaipedas sechsmal pro Woche. www.dfds.de

Die Fluggesellschaft SAS fliegt täglich über Kopenhagen nach Palanga. www.flysas.com.

Außerdem bietet Air Baltic eine Nachtflugverbindung über Riga (Lettland) an. www.airbaltic.com

Informationen über die Stadt und ihre Sehenswürdigkeiten findet man unter www.klaipedainfo.lt.

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