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Neue Insel und alte Wracks
Die Nordspitze des Norderoogsandes ist aus den Fluten aufgetaucht. (Foto: S. Conrad)

Entdeckungen im Wattenmeer

Neue Insel und alte Wracks

Neue Vogelinsel und historische Schiffswracks – In zwei Sandbänke im nordfriesischen Wattenmeer ist Bewegung gekommen: Auf dem Norderoogsand wachsen Dünen, auf Süderoogsand spült das Meer gleich drei alte Wracks frei.

NORDEROOGSAND

„In einem Vierteljahrhundert Nationalpark hat es das nicht gegeben!" Detlef Hansen, Leiter der Nationalparkverwaltung Schleswig-Holsteinisches Wattenmeer, ist begeistert. Vor den Halligen, am Rand zur offenen Nordsee ist binnen weniger Jahre eine Düneninsel aus dem Meer geboren worden. Die Nordspitze des Norderoogsandes ist aus den Fluten aufgetaucht. Über vier Meter hohe, dicht mit Strandhafer bewachsene Dünen gibt es dort jetzt, wo vor kurzem nicht mehr als eine flache, kahle Sandbank lag. In den Dünentälern bilden sich Salzwiesen wie an den Ostenden der ostfriesischen Inseln. Queller, Dreizack, Strandwermut und Keilmelde haben sich angesiedelt. Insgesamt konnten die Forscher 49 verschiedene Pflanzen zählen. Fünf Jahre zuvor hatte die Vegetation aus nur einer einzigen Art bestanden. Mit ihren Wurzeln halten die Pflanzen wie mit Krallen den an den Strand geworfenen Sand fest und tragen so zur Dünenbildung bei. Doch die neue Insel wurde auch von Küstenvögeln erobert, die hier ungestörte Brutplätze finden. Allein 149 Silbermöwen- und 74 Heringsmö­wenpaare haben im letzten Sommer ihre Jungen zwischen den Strand­gräsern großgezogen. Auch ein Wanderfalkenpärchen und einige Zwergseeschwalben brüten auf der Düneninsel. „Damit steigt die ökologische Bedeutung des Norderoogsandes enorm", freut sich Thorsten Harder, Geschäftsführer des betreuenden Naturschutzvereins Jordsand. „Vielleicht breitet sich die gefährdete Brandseeschwalbe von unserer Vogelhallig Norderoog hierhin aus."


Neue Insel und alte Wracks
Das Wrack der "Ulpiano" ist wieder aufgetaucht (Foto: SHZ)
SÜDEROOGSAND

Hier hat die anbrandende Nordsee drei historische Schiffswracks freigespült, die nun wie stumme Zeugen früherer Tage offen auf der Sandbank liegen. „Ein Kranz von alten Wracks ragt, wie ein Kamelgerippe in der Wüste von weitem sichtbar, aus den Wassern um Süderoog hervor." So schrieb Detlev von Liliencron vor über 100 Jahren. Doch die wandernde Sandbank westlich der Hallig hatte die Überreste der gestrandeten Schiffe im Laufe der Jahre verschluckt. Erst jetzt gab sie sie wieder frei. Die beiden Eisenschiffe sind bereits bekannt. Sie stammen aus dem 19. Jahrhundert. „Aber das ältere Holzwrack ist bislang weder zeitlich noch nach Herkunft bestimmt", so der Küstenarchäologe Dr. Hans Joachim Kühn. „Die Untersuchung der Jahrringe im Holz würde eine genaue Datierung ermöglichen." Anhand bestimmter Konstruktionsmerkmale könne dann auch der Schiffstyp ermittelt werden. Eines der Eisenschiffe ist die Weihnachten 1870 gestrandete spanische Bark „Ulpiano". Kapitän Seferino Prieto und seine elf Mann starke Besatzung hatten in der Heiligen Nacht den Kampf gegen Sturm und Eisgang verloren. Doch sie überlebten das Unglück und fanden zunächst Unterschlupf in der Rettungsbake auf der Sandbank, bis auf der nahe gelegenen Hallig Süderoog Bauer Paulsen im Fernglas das Problem erkennt. Mit seiner Familie zieht er ins Watt, um die Seefahrer zu retten. Zehn Wochen verbrachten die Spanier danach auf der kleinen Hallig, wo sie „wie Söhne" behandelt wurden, so der Kapitän. Noch heute ziert ein Holzschnitzwerk der „Ulpiano" die Tür des einzigen Hauses auf Hallig Süderoog.

von S. Conrad 

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